Angesichts geopolitischer Spannungen, zerbrechlicher Lieferketten und steigender Rohstoffpreise wird die Zirkularität immer wichtiger. Das Veranstaltungsprogramm der IFAT München zeigt eindrucksvoll, wie Recycling, Digitalisierung und neue Zusammenarbeit die Ressourcen effizienter nutzen und die wirtschaftliche Widerstandsfähigkeit stärken können.
Selten in seiner 60-jährigen Geschichte war die IFAT München so eng mit globalen wirtschaftlichen und geopolitischen Entwicklungen verbunden wie heute. Vor dem Hintergrund globaler Supply-Chain-Krisen werden die wichtigsten Themen der Messe zunehmend zum Fokus der Politik und der Industrie. Das liegt daran, dass ein konsequent umgesetztes Kreislaufsystem immer mehr als entscheidender Faktor für die Verringerung der Abhängigkeit von Rohstoffen betrachtet wird und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen und europäischen Wirtschaft gewährleistet.
Dieser Ansatz gewinnt auch weitere politische Dynamik. Im Dezember 2025 hat die Europäische Kommission den RESourceEU Aktionsplan ins Leben gerufen. Neben Förderprogrammen zur effizienteren Nutzung von Ressourcen plant sie auch Exportbeschränkungen für bestimmte Abfallströme, wie Aluminiumschrott oder Abfall von Permanentmagneten, um die Recyclingkapazitäten innerhalb Europas zu stärken. Auch die Einführung neuer Kennzeichnungsanforderungen und zusätzlicher Recyclinganreize für Batterien ist geplant.
IFAT Veranstaltungsprogramm: Fokus auf die Sicherung von Rohstoffen
"Sechs Wochen vor Messebeginn ist klar, dass unsere Aussteller wertvolle Impulse und Innovationen für eine größere Rohstoffsicherheit nach München bringen", sagt Messedirektor Philipp Eisenmann. Beispiele sind neue Verfahren zum Recycling von Lithium-Ionen-Batterien, innovative Ansätze im Automobilrecycling und digitale Technologien zur genaueren Sortierung recycelbarer Materialien.
Dieses Thema spielt auch eine Schlüsselrolle im Veranstaltungsprogramm. Auf der Orange Bühne in Halle A5, mehrere Podiumsdiskussionen werden sich auf die Chancen und Strategien einer nachhaltigen Kreislaufwirtschaft konzentrieren. Zu den Organisatoren dieser Diskussionen gehören der Bundesverband der deutschen Abfall-, Wasser- und Kreislaufwirtschafts-Management-Industrie (BDE), Deutschland Trade & Invest (GTAI), die Deutsche Umweltstiftung (DBU) und das Bundesumweltministerium.
Automobilindustrie: Materialzyklen noch umfassender schließen
Ein Sektor mit besonders hohen Ressourcenanforderungen ist der Automobilsektor. Die Europäische Union hat daher das Ziel gesetzt, deutlich mehr Materialien zurück zu gewinnen, sie in hoher Qualität zu recyceln und, soweit möglich, in der EU in Umlauf zu halten. Gleichzeitig soll die Abhängigkeit von den Importen verringert und die Widerstandsfähigkeit gegenüber Versorgungskettenstörungen gestärkt werden. Diese Ziele spiegeln sich auch in der neuen europäischen End-of-Life-Fahrzeugverordnung (ELV-R) wider, die derzeit im endgültigen Gesetzgebungsverfahren steht. Sie setzt strengere Recyclingquoten, fordert eine höhere Nutzung recycelter Kunststoffe und führt einen digitalen Fahrzeugpass ein, um Demontage und Recycling zu erleichtern.
Mit dem Aufstieg der Elektromobilität wird auch das Lithium-Ionen-Batterie-Recycling immer wichtiger. Energiespeicher enthalten strategisch wichtige Rohstoffe wie Nickel, Kobalt, Lithium und Graphit. Hohe Rückgewinnungsraten sind bereits technisch möglich, aber die wirtschaftliche Attraktivität der Prozesse hängt stark von den jeweiligen Marktpreisen ab. Gleichzeitig entstehen in Europa neue industrielle Recyclingkapazitäten.
Vor diesem Hintergrund werden mehrere Veranstaltungen auf der Orange Stage das Thema ansprechen. Experten aus der Automobil- und Recyclingindustrie diskutieren Themen wie Stadtbergbau, geschlossene Materialzyklen und neue Partnerschaften entlang der Wertschöpfungskette.
Weitere Programmartikel befassen sich mit einer erweiterten Herstellerverantwortung, wie dem Recycling von gebrauchten Reifen und industriellen Prozessen zur Gewinnung kritischer Rohstoffe aus Lithium-Ionen-Batterien. Zu den Veranstaltern gehören die BDE, das Ressourceneffizienzzentrum Bayern (REZ), der Bundesverband für Sekundärrohstoffe und Entsorgung (bvse) und der Baumaschinen- und Baustoffanlagenverband (VDMA).
Neben Diskussionen und Fachvorträgen bietet die IFAT München auch praktische Einblicke. In einer Live-Demonstration "Stahl- und Metallrecycling unter dem Banner von Green Steel (BDSV)", zeigt der Bundesverband der deutschen Stahlrecycling- und Entsorgungsunternehmen (BDSV) im Außenbereich moderne mechanische Demontageprozesse.
KI, Robotik und Digitalisierung als Innovationstreiber
Künstliche Intelligenz, Robotik und digitale Technologien gehören derzeit zu den wichtigsten Innovationstreibern im Kreislauf- und Abfallmanagement. Die Branche erwartet von ihnen bessere Sortierergebnisse, effizientere Betriebsabläufe, höhere Arbeitssicherheit und geringere Emissionen entlang der gesamten Wertschöpfungskette.
Damit eröffnen sich auch neue Möglichkeiten im kommunalen Abfallmanagement: So kann KI beispielsweise dazu beitragen, Fehlsortierabfälle zu minimieren oder die Routenplanung für Sammelfahrzeuge zu optimieren. Konkrete Anwendungen, Umsetzungsherausforderungen und strategisches Potenzial für Städte und kommunale Unternehmen stehen im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion, die vom Deutschen Verband der lokalen Versorgungsunternehmen (VKU) auf der Orange Stage organisiert wird.
Auf der IFAT München präsentiert die VDMA auch eine Initiative zur Standardisierung des Datenaustauschs sensorgesteuerter Sortiersysteme, um intelligentere und effizientere Recyclingprozesse zu ermöglichen. Auf einer anderen Veranstaltung wird die VDMA die Rolle diskutieren, die digitale Produktpässe in Zukunft für hochwertiges Recycling spielen können.
Möglichkeiten und Grenzen neuer Technologien
Am letzten Tag der Fachmesse (7. Mai) wird die International Solid Waste Association (ISWA) einen kritischen Blick auf den Einsatz von KI und Robotik in der Abfallwirtschaft werfen. Neben innovativen Technologien wie kollaborativen Robotern zur Demontage komplexer Elektronik, KI-gestützter Materialrückgewinnung oder digitaler Materialflussverfolgung werden auch Herausforderungen und mögliche Nebenwirkungen diskutiert. Denn KI-Systeme setzen auf hochwertige, standardisierte Daten und eine stabile digitale Infrastruktur. Abfallströme sind jedoch oft heterogen und stark verunreinigt. Modelle, die unter Laborbedingungen gut funktionieren, erreichen daher in der Praxis oft ihre Grenzen. Gleichzeitig sind viele Systeme mit hohen Investitionskosten verbunden – vor allem für kleinere Recyclinganlagen, aber auch für Unternehmen in Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen. Genau dort wird jedoch in den kommenden Jahrzehnten mit dem größten Anstieg der Abfallmengen zu rechnen sein. Die ISWA ist daher der Ansicht, dass eine zentrale Herausforderung darin besteht, digitale Innovationen mit praktikablen und nachhaltigen Systemlösungen zu kombinieren.
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