Seit langem entwickelt sich die einfache Arbeitskleidung zu einem hochintelligenten Lebens-Schutz-System: persönliche Schutzausrüstung (PPE). Auf der INTERSCHUTZ 2026 wird die Industrie zeigen, wie sich Schutzkleidung an neue Herausforderungen angepasst hat. Ob Abschirmung gegen krebserregende Partikel, vernetzte Sensorik im Atemgerät oder ergonomisches Leichtbaugetriebe für längere Operationen – die Trends signalisieren einen technologischen Wendepunkt.
"Unser Schlüsselthema „Safeguarding Tomorrow" gilt auch für die Arbeitsbedingungen von Nothelfern", sagt Thilo Horstmann, Leiter der INTERSCHUTZ bei der Deutschen Messe AG. "Der Schutz der Öffentlichkeit ist nur möglich, wenn die Retter selbst optimal geschützt sind." Dazu kommen neue Textiltechnologien, die nicht nur extremer Hitze standhalten können. Intelligente Sensorsysteme, die in die Geräte integriert sind, sind nicht mehr eine entfernte Vision. "Eine von vielen Aspekten ist der Klimawandel", fügt Horstmann hinzu. "Als Operationen – etwa solche mit Vegetationsfeuern – in der Dauer komplexer und länger werden, liegt ein Schwerpunkt auf leichteren, flexibleren Materialien, die die körperliche Belastung der Befragten minimieren."
PPE von Kopf bis Fuß – von Helmen und Schutzanzügen bis zu Stiefeln: "Bei INTERSCHUTZ präsentieren mehr als 1.600 Aussteller Innovationen für eine breite Palette von Szenarien. PPE entwickelt sich deutlich in der Branche, insbesondere in Bezug auf Ergonomie, Modularität und Konnektivität", bestätigt Nicolai Gäding, Application Specialist für schweren Atemschutz und öffentliche Sicherheit bei Dräger. "Moderne PPE muss sowohl ergonomisch als auch anpassungsfähig sein, um unterschiedliche Betriebsszenarien zu erfüllen, oft mit längeren Einsatzzeiten und extremer Hitze." Der Experte sieht wachsende Nachfrage nach systemkompatiblen PPE-Lösungen, die Schutz, Kommunikation und digitale Funktionen integrieren. "Wir entwickeln Systemlösungen, die nahtlos zusammenarbeiten und flexibel an unterschiedliche betriebliche Anforderungen angepasst werden können", sagt Gäding. Vernetzte Systeme liefern Echtzeit-Informationen – idealerweise direkt im Sichtfeld des Befragten. "Dies erhöht das Situationsbewusstsein und ermöglicht schnellere, fundiertere Entscheidungen in dynamischen Gefahrensituationen", betont er. Es gibt auch zahlreiche Herausforderungen bei der Entwicklung neuer Feuerwehrhelme. Neben Ergonomie und Schutzleistung müssen Design und Systemintegration berücksichtigt werden. Mehr wird auf der INTERSCHUTZ gezeigt, so Dräger.
In der Vergangenheit waren Brandschutzanzüge einheitlicher als die wahre PPE. "Was bis Mitte der 1990er Jahre als operative Kleidung getragen wurde, ist weit entfernt von dem, was wir heute kennen", betont Christian Pannier, Product Manager der LHD Group, einer der führenden Hersteller von Schutz- und Bekleidungslösungen. "Die Einführung der europäischen Norm EN 469 für Brandschutzkleidung im Jahr 1995 war der Durchbruch für moderne Schutzausrüstung, wie wir sie heute kennen." Die heutige Schutzkleidung ist viel funktionaler als vor wenigen Jahren. Als Beispiel zitiert er Feuerwehrjacken, die vor 20 Jahren typischerweise vier Taschen hatten. "Heute sind sechs oder sieben nicht ungewöhnlich", sagt Pannier. Kunden haben oft Anforderungen, die über den durch den Standard definierten Schutz hinausgehen, wie die Branchenerfahrung zeigt. Der Trend bewegt sich auch auf "stylish and individual". Personalisierte Rückdrucke mit dem Namen der Gemeinde gelten nun als Standard. "Einige Brandabteilungen gehen sogar so weit, dass ihre eigenen Schutzanzüge entwickelt wurden, anstatt Off-the-Shelf-Produkte zu kaufen", fügt der Produktionsleiter hinzu. Dennoch bleibt der klassische Brandschutzanzug nach DIN EN 469 am weitesten verbreitet.
Ungeachtet der Standards ist auch die Individualität in Bezug auf Passform und Befestigung gefragt, sagt Julia Simon von Haix. Das Unternehmen zeigt wieder vielversprechende Überraschungen auf der diesjährigen INTERSCHUTZ. Zwei neue Stiefel sind für ein auffälliges Highlight geeignet. Erst im letzten Jahr lenkte Haix die Aufmerksamkeit mit dem weltweit ersten Schuh aus Extraguard Material, der die Schutzvorteile von robustem Außenmaterial mit extrem geringem Gewicht und Pflegekomfort kombinierte.
Bei Arclin (früher DuPonts Aramid-Division) werden Nomex® Xtreme Performance-Lösungen im PPE-Bereich auf der INTERSCHUTZ inszenieren. Nomex und Kevlar gehören beide zur Gruppe der Aramidfasern und haben seit Jahrzehnten eine Schlüsselrolle bei der Brandbekämpfung von Schutzkleidung gespielt. Nomex ist sehr hitzebeständig und flammhemmend. Es strahlt statt Schmelzen aus und schützt so vor direkter Wärmebelastung. Kevlar ist extrem reißfest und schnittfest und sorgt für mechanische Stabilität gegen Abrieb oder scharfe Kanten. Die Kombination dieser innovativen Fasern bietet bewährten Schutz, Haltbarkeit und Tragekomfort auf der Innenseite. Im Außenausstellungsbereich wird Arclin die Widerstandsfähigkeit dieser Materialien mit dem Thermo-Man demonstrieren. Dieser lebensgroße, instrumentierte Dummy ist mit verschiedenen Wärmesensoren ausgestattet und in einer sogenannten Flash-Feuer-Simulation echten Flammen ausgesetzt. Während des intensiven Feuers messen die Sensoren, wie viel Wärme die Schutzkleidung durchdringt. Ein Modell berechnet dann prognostizierte Verbrennungen (Bereich, Grad, Körperregionen). Die Ergebnisse ermöglichen es, zu beurteilen, wie gut verschiedene Schutzanzüge tatsächlich funktionieren.
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