Ob Klimaresilienz, Chancen der Digitalisierung, optimierte Abwasserbehandlung oder globale Wassergerechtigkeit – die Umwelttechnikmesse IFAT Munich 2024 spiegelt einmal mehr aktuelle Themen der Wasser- und Abwasserwirtschaft wider.
Vom 13. bis 17. Mai 2024 zeigt die Umwelttechnikmesse IFAT München einmal mehr, mit welchen Herausforderungen und Marktimpulsen sich die internationale Wasser- und Abwasserwirtschaft derzeit konfrontiert sieht. Zu den diesjährigen Schwerpunktthemen der Münchner Messe gehört die Anpassung an die Folgen des Klimawandels. Das Veranstaltungsprogramm der Messe umfasst mehrere Termine, die sich mit Aspekten dieser dringenden gesellschaftlichen Aufgabe befassen. So veranstalten der Deutsche Verband für Wasser, Abwasser und Abfall (DWA), der Deutsche Städtebund, der Deutsche Städte- und Gemeindebund, der Deutsche Landkreisbund, der Deutsche Technik- und Wissenschaftliche Verband für Gas und Wasser (DVGW) und der Verband der kommunalen Unternehmen am 16. Mai ab 9.30 Uhr den „Tag der belastbaren Gemeinden. Seine Vorträge und Podiumsdiskussionen finden auf der Blauen Bühne statt—eine Bühne speziell für Wasserthemen—in Halle B2.
Bausteine für Schwammstädte
Um klimaresistenter zu werden, müssen Städte und Gemeinden unter anderem mit den Auswirkungen zunehmender und stärkerer Trockenperioden und starker Regenfälle umgehen. Ein vielversprechendes Konzept dafür ist die wasserbewusste Stadt, auch bekannt als die Schwammstadt. IFAT-Aussteller bieten hilfreiche Bausteine für die Umsetzung. Beispiele hierfür sind das ViaTree Bauminfiltrationssystem der Mall GmbH in Donaueschingen, das EcoBloc Infiltrationssystem der Otto Graf GmbH in Teningen und das Stormclean Regenwasseraufbereitungssystem der ACO GmbH in Büdelsdorf.
Umsetzung der Europäischen Richtlinie zur Behandlung von kommunalem Abwasser
Neue gesetzliche Anforderungen, nämlich auf EU-Ebene, können ebenfalls einen signifikanten Marktgestaltungseffekt haben. Ein aktuelles Beispiel ist die Europäische Richtlinie zur Behandlung von kommunalem Abwasser. Er wurde nach mehr als 30 Jahren umfassend überarbeitet, und der Kompromiss aus Brüssel liegt nun vor. "Die geplanten Änderungen werden erhebliche Auswirkungen auf die Abwasserbehandlung in Europa haben, insbesondere für die Entfernung anthropogener Spurenstoffe, die Steigerung der Energieeffizienz und die Energieerzeugung in kommunalen Kläranlagen oder für die Aufbereitung von Mischwasser", sagt DWA-Präsident Prof. Uli Paetzel. Vor diesem Hintergrund organisiert der Verein am 14. Mai um 16.30 Uhr eine Sitzung auf der Blauen Bühne, auf der Entwicklungen und Entscheidungen zur Umsetzung der Richtlinie über die Behandlung von kommunalem Abwasser aus rechtlicher, technischer und operativer Sicht erläutert und diskutiert werden.
Aussteller werden sich auch auf die anspruchsvolleren Anforderungen konzentrieren. So präsentiert die Huber SE aus Berching den neu entwickelten RotaFilt-Tuchfilter. Es trennt zuverlässig feine Schwebstoffe wie Schlammflocken und Mikroplastik ab und entfernt Phosphor durch Flockungsfiltration. Und die Heidelberger ProMinent GmbH zeigt, wie sich Mikroschadstoffe wie Arzneimittelrückstände mit Ozon entfernen lassen und wie sich Ozon mit modularen Systemen besonders wirtschaftlich erzeugen lässt.
Wohin geht die Digitalisierung?
Die digitale Transformation ist auch in der Wasser- und Abwasserindustrie in vollem Gange. Das Münchner Branchentreffen gibt Antworten in einer Tiefe, die selten zu finden ist auf Fragen wie: Wo stehen wir in diesem Prozess? Welche Chancen und Risiken birgt sie? Welche Richtung kann die digitale Reise in Zukunft nehmen? Dieses Schwerpunktthema konzentriert sich auf die Spotlight Area „Digitalisierung in der Wasserwirtschaft am Eingang West des Münchner Messegeländes. Die von der DWA direkt hinter den Verbandsständen organisierte Sonderausstellungsfläche wird sich auf Best-Practice-Lösungen konzentrieren. Unter anderem wird die DVGW die „Quelle der Zukunft präsentieren. Projekt "Wasser für Generationen". Im Rahmen des Projekts plant die Bodensee-Wasserversorgung, neue Anlagen zu nutzen, um auch die Trinkwasserversorgung für rund vier Millionen Menschen für die kommenden Jahrzehnte zu sichern. Besucher können mit Augmented Reality visuell in die Einrichtungen eintauchen und den Einsatz digitaler Technologien erleben.
Nicht zuletzt bietet die lokale Hochwasserfrühwarnung Raum für zukunftsweisende digitale Entwicklungen. Am Stand der Endress + Hauser aus Weil am Rhein können sich interessierte Besucher über das Netilion Hochwasserüberwachungssystem informieren. Es nutzt künstliche Intelligenz, um Hochwassersituationen anhand von Daten, die vor Ort von Wasserstandmessgeräten und Regen- und Bodenfeuchtesensoren gesammelt wurden, sowie Wettervorhersagen und Geländeinformationen frühzeitig genau zu beurteilen. Digitale Zwillinge sind eines der Schlüsselkonzepte von Industrie 4.0—Auch in der Wasserwirtschaft. Auf der Messe zeigt die Siemens AG aus Erlangen ein solches virtuelles Modell, das den gesamten Anlagenlebenszyklus abbildet. Es ermöglicht die Implementierung schlanker Prozesse, von Design und Engineering bis hin zu Betrieb, Wartung und Optimierung.
Wassergerechtigkeit für eine harmonischere Welt
Wasser hat auch eine geopolitische Dimension, vielleicht heute mehr denn je. Wasserknappheit oder die ungleiche Verteilung dieses blauen Goldes können zu regionalen oder länderübergreifenden Spannungen führen. Faktoren wie der fortschreitende Klimawandel, die wachsende Weltbevölkerung und bewaffnete Konflikte verschärfen die Situation. Umgekehrt hat eine gerechte und nachhaltige Wassernutzung das Potenzial, ein harmonisches Zusammenleben auf allen Ebenen zu fördern. Es ist kein Zufall, dass der diesjährige Weltwassertag am 22. März unter dem Motto "Wasser für den Frieden" stattfand. "Viele Technologien und Systeme unserer Aussteller können als Beitrag zu mehr globaler Wassergerechtigkeit und damit zu mehr Frieden gesehen werden", sagt Philipp Eisenmann, Messedirektor der IFAT München. Zum Beispiel das mobile, palettengroße PurAID-Wasseraufbereitungssystem des Herstellers Pureco in Budapest, Ungarn. Das kostengünstige modulare System eignet sich für die Wasserversorgung in ländlichen und abgelegenen Gebieten. Es entfernt Arsen, Eisen, Mangan, Ammoniak, Fluor, Bakterien und Viren aus Grundwasser, Brunnenwasser und bestehendem, aber kontaminiertem Leitungswasser. Die European Water Association (EWA) und die International Water Association (IWA) beschäftigen sich unter anderem mit diesem Thema im Veranstaltungsprogramm: Am 14. Mai um 14.30 Uhr organisieren sie gemeinsam die Podiumsdiskussion „Invest in Water—Investieren Sie in "Sicherheit" auf der Blauen Bühne. "Wir haben internationale Akteure eingeladen, über ihre Maßnahmen und Erfahrungen zur Unterstützung des Wassersektors weltweit zu berichten, die Sicherheit und Frieden fördern", erklärt EWA-Generalsekretär Johannes Lohaus.
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